Aspekte der Barrierefreiheit

Die eine Norm und das eine regelnde Gesetz für Barrierefreiheit in der medizinischen Versorgung gibt es nicht. Die Stiftung Gesundheit hat aus den verschiedenen Normen und Vorgaben Kriterienkataloge zusammengestellt, die Sie untenstehend einzeln aufrufen können.

1. Behindertenparkplätze

Zumindest ein Stellplatz ist vorhanden, der die Anforderungen an Behindertenparkplätze erfüllt.
Diese Anforderungen sind:
  • Die Borde müssen in ganzer Breite auf einer Höhe von 3 cm abgesenkt, taktil und optisch kontrastierend wahrnehmbar gekennzeichnet sein.
Bei quer zur Fahrtrichtung ausgerichteten Parkplätzen muss:
  • ein Doppelstellplatz mindestens 6 Meter breit und 5 Meter lang,
  • ein einfacher Stellplatz mindestens 3,50 Meter breit sein.
Bei längs zur Fahrtrichtung ausgerichteten Parkplätzen muss:
  • eine Mindestbreite von 2,50 Meter vorhanden sein,
  • eine Mindestlänge von 7,50 Meter vorhanden sein,
  • die Bewegungsfläche neben dem Fahrzeug 1,50 Meter mindestens betragen.

2. Ebenerdiger Zugang und Aufzug vorhanden

Der Zugang zur Praxis kann einzelne Stufen umfassen. Sofern die Praxis sich nicht im Erdgeschoss befindet bzw. ebenerdig zu begehen ist, steht ein Lift zur Verfügung. Diese Kategorie stellt in erster Linie eine Erleichterung für gebrechliche Personen dar. Achtung: Nur weil ein Aufzug vorhanden ist, bedeutet dies nicht, dass die Praxis ganz ohne Stufen zu erreichen ist, oder der Aufzug rollstuhlgerecht sein muss.

3. Zugang ist stufenfrei

Der stufenlose Zugang erfolgt möglichst über den Haupteingang der Praxis, im Ausnahmefall über einen Nebeneingang, wobei anlegbare Rampen oder ein Treppenlift, der auch mit einem Elektrorollstuhl nutzbar sein muss, als Hilfsmittel akzeptiert werden. Dafür muss eine ausreichende Durchgangsbreite (Türbreite mindestens 90 cm) vorhanden sein.

4. Zugang ist barrierefrei

Damit der Zugang zu einer Praxis als barrierefrei gilt, müssen Behindertenparkplätze gekennzeichnet sein, ein stufenloser Zugang gewährleistet und der Zugang rollstuhlgerecht sein (d.h. alle Türen innerhalb der für Patienten bestimmten Praxisräumlichkeiten müssen eine Mindestdurchgangsbreite von 90 cm aufweisen, die Türschwelle dabei nicht höher als 2 cm). Sehbehinderten und blinden Menschen werden Orientierungshilfen geboten, wie taktile Bodenelemente, die mit dem Tastsinn deutlich wahrnehmbar und kontrastreich gestaltet sind.

5. Aufzug ist rollstuhlgerecht

Die Bewegungsfläche vor Fahrschachttüren muss so groß wie die Grundfläche des Aufzugsfahrkorbs (110 x 140 cm), mindestens aber 150 cm breit und mindestens 150 cm tief sein. Bei einer Überlagerung der Verkehrsflächen muss ein Vorbeigehen am wartenden Rollstuhlfahrer möglich sein, dass heißt etwa 90 cm. Lichte Breite der Fahrschachttüren muss mindestens 90 cm betragen. Die Aufzugstür darf nicht gegenüber abwärts führenden Treppen und Rampen angeordnet sein. Falls dies unvermeidbar ist, muss ein Abstand von 3 Metern eingehalten werden. Bedienungstableau und Haltestangen müssen vom Rollstuhl aus zu erreichen sein. Es muss ein Spiegel vorhanden sein, der dem Rollstuhlfahrer das Rückwärtsfahren erleichtert.

6. Aufzug ist barrierefrei

Barrierefreie Aufzüge müssen zusätzlich zu den Anforderungen für rollstuhlgerechte Aufzüge noch folgende Anforderungen erfüllen:
  • Es wird empfohlen, dass Personenaufzüge mit mehr als zwei Haltestellen über Haltestellenansagen verfügen
  • Die Schrift des Bedientableaus ist erhaben, kontrastreich und blendfrei lesbar sowie zwischen 15-40 mm groß
  • Es gibt einheitlich taktile Hinweise auf die Geschossebene
  • Es sollte ein Klappsitz vorhanden sein

7. Höhenverstellbare/flexible Untersuchungsmöbel

Bei der Notwendigkeit des Umsetzens aus dem Rollstuhl in einen Behandlungsstuhl, (z.B. bei Augen- oder HNO-Ärzten) müssen die Armlehnen wegklappbar sein oder eine ausreichende Bewegungsfläche für einen Rollstuhl (Behandlung ohne Umsetzen) vorhanden sein. Die Untersuchungsliegen, Gynäkologischen Stühle, Zahnarztstühle etc. müssen höhenverstellbar/ flexibel sein und so die Untersuchung gewährleisten.

8. Gebärdensprache/induktive Höranlagen

Die Praxis ermöglicht durch eine/n oder mehrere MitarbeiterInnen der Arztpraxis die Kommunikation mittels der Gebärdensprache. Es wird zudem empfohlen, die Arztpraxis (etwa im Empfangsbereich) mit einer fest eingebauten oder mobilen induktiven Höranlage auszustatten. Mit Hilfe der induktiven Höranlage können Menschen, die ein Hörgerät tragen, die Audiosignale direkt drahtlos über das Hörgerät empfangen. Vertrauliche Informationen können damit vom Patienten direkt, unabhängig vom Abstand zu der ins Mikrofon sprechenden Person, empfangen werden. Alle Störgeräusche der Umgebung können so eliminiert werden.

9. Orientierungshilfen für Sehbehinderte

Sehbehinderten und blinden Menschen werden Orientierungshilfen geboten, wie taktile Bodenelemente, die mit dem Tastsinn deutlich wahrnehmbar und kontrastreich gestaltet sind. Zudem gelten folgende Anforderungen:
  • Bei Treppen sollte die erste und letzte Treppenstufe deutlich markiert sein. Des Weiteren helfen taktil erfassbare Felder vor und nach der Treppe, welche mindestens 60 cm tief und so breit wie die Treppe sein sollten.
  • Treppenhandläufe müssen durchlaufend über Hindernisse (z.B. Heizungen, Fensteröffnungen) hinweg führen und sicher umgreifbar sein. Kontrastreich markierte Enden erleichtern die Orientierung.
  • Glasflächen und Glastüren müssen kontrastreich markiert sein.
  • Schilder sollen gut lesbar und mit kontrastreicher Beschriftung in Augenhöhe angebracht sein.
  • Die Beleuchtung von Treppenhäusern und Fluren ist hell und blendfrei.

10. Barrierefreies WC

Das Patienten-WC einer Arztpraxis gilt als barrierefrei wenn folgende Anforderungen erfüllt sind:
  • Die Türbreite weist mindestens 90 cm auf.,
  • Der Zugang ist stufenlos oder über eine Rampe mit bis zu 6 % Steigung erreichbar.
  • Die Schiebetüren oder Türen lassen sich nach außen öffnen.
  • Rechts und links neben dem Toilettenbecken sind mindestens 90 cm breite und 70 cm tiefe Bewegungsflächen vorhanden.
  • Die Bewegungsfläche vor dem Waschtisch und der Toilette ist mindestens 1,50 Meter breit und 1,50 Meter lang.
  • Die Höhe des WC-Sitzes beträgt 46-48 cm.
  • Die Haltegriffe sind beidseitig neben dem WC vorhanden.
  • Die Spülung ist im Sitzen mit Arm oder Händen erreichbar.
  • WC-Papierhalter befinden sich beidseitig an den Haltegriffen.
  • Der Waschtisch ist höchstens 80 cm hoch und bedingt unterfahrbar. Das bedeutet, dass die Kniefreiheit etwa 30 cm Tiefe und 67 cm Höhe beträgt.
  • Die Armaturen, Seifenspender und Trockenvorrichtung sind erreichbar und einhändig bedienbar.
  • Die Toilette, Waschbecken, Taster sowie Haltegriffe sind kontrastreich gestaltet.
Angaben zur DIN 18040-1 für sanitäre Anlagen finden Sie auch unter

www.nullbarriere.de

und

www.barrierefreies-cottbus.de

11. Bedingt barrierefreies WC

Das Patienten-WC der Praxis gilt als bedingt barrierefrei, wenn nicht alle Anforderungen an ein WC erfüllt sind, so z. B. wenn die Toilette nur einseitig anfahrbar ist. Die grundlegenden Anforderungen wie Türbreite, stufenloser Zugang, ausreichende Bewegungsfläche müssen jedoch erfüllt sein.